Interview mit Johannes Vetter
14. 5. 2019

Interview mit Johannes Vetter

Johannes Vetter

Speerwurf-Weltmeister / Offenburg

Die Sonne scheint, es ist frühsommerlich warm in Offenburg. Drinnen, im düsteren Kraftraum der Nord-West-Halle, ist es wesentlich kühler, beim Betreten fröstelt einen. Doch wer hier trainiert, dem wird schnell warm. Die Geräte hier haben schon einige Jahre hinter sich. Aber Johannes Vetter, amtierender Speerwurfweltmeister, ist zufrieden mit dem Equipment. Meist trainiert er hier seine Muskeln und Technik in der benachbarten Rüdiger-Hurrle-Halle. Erst vor wenigen Tagen ist er aus dem Trainingslager in Südafrika zurückgekommen. Oberarme und Oberkörper sind durchtrainiert, stattliche 105 Kilo wiegt der 1,88 Meter große Modellathlet, seine Bestweite: 94,44 Meter.

Wegen der guten Trainingsbedingungen und Trainer Boris Obergföll ist der Sportsoldat 2014 aus seiner Heimatstadt Dresden in die Ortenau gezogen. Offenburg ist für den 26-Jährigen in wenigen Jahren zur Heimat geworden, auch die Familie wohnt inzwischen in der Region. "Hier hat meine Lebensqualität zugenommen", sagt er unmissverständlich. "Die Menschen hier, der Umgang untereinander, die Natur, das ist hier deutlich angenehmer. Ich fühle mich hier wohler", sagt Vetter, zwischen den Geräten im Kraftraum sitzend: "Offenburg ist meine Heimat und wird sie auch bleiben. Mich zieht nichts zurück." Es tue ihm gut, nach anstrengendem Training und auch mental kräftezehrenden Wettkämpfen hier Ruhe und Abstand zu finden. Diese neue Verwurzelung ist einer der Gründe, warum der Leichtathletik-Champion bei der Kommunalwahl für den Offenburger Gemeinderat kandidiert – auf der Liste der Freien Wähler (FW). "Es ist schön, Politik nicht nur zu erleben, sondern selbst mitzugestalten", findet Vetter. "Ich finde es schade, wenn man nur meckert und sich beschwert, aber selbst nichts tun will."

"Es wäre gelogen, wenn wir nicht die Hoffnung hätten, dass sein Name zieht. Er ist eines unserer Aushängeschilder", räumt Stefan Konprecht ein. Der Freie-Wähler-Vorstand hat Vetter das Stadtratsamt schmackhaft gemacht. Vetter sei "eine Erscheinung". Vetter selbst rechnet sich Chancen aus, bleibt aber demütig. Er wisse, dass im Falle seiner Wahl viel Neues auf ihn zukomme: "Ich sehe darin eine große Verantwortung." Den Sport und die dazugehörige Infrastruktur sieht er – natürlich – als eines seiner Steckenpferde. Kommunalpolitische Erfahrung hat er bislang keine. Aber er bringe politisches Interesse mit – und den Wunsch und Willen, den Sport auch mal aus dem Kopf zu bekommen und sich auf anderes zu konzentrieren. Neben dem Leistungssport bleibe dafür durchaus Zeit. Und so manches lässt sich heutzutage auch problemlos per Mail oder Skype regeln.

Quelle: https://www.badische-zeitung.de/auf-den-kommunalwahllisten-in-suedbaden-finden-sich-einige-prominente-namen?fbclid=IwAR3OcPlasiFJb80i4QPTlYgt3IAcHOnmpmhvaWIar6mlAAMDOdl4yoAn7h4